Europäische Tech-Champions: Klarna

In unserer Miniserie nehmen wir europäische Unicorns unter die Lupe, die zum Visa Partnernetzwerk gehören. Nummer 1: Klarna und sein Beitrag zum neuen Online-Shopping.

June 12,2019 08:56 AM Eastern Time

 

2005 gründeten in Stockholm drei Freunde ein kleines Unternehmen, das heute zu den führenden Anbietern für Zahlungslösungen in ganz Europa gehört. Sebastian Siemiatkowski, Niklas Adalberth und Victor Jacobsson besuchten zusammen die Stockholm School of Economics und gründeten gemeinsam Klarna – zu deutsch „aufklären, klar werden“. Klarna klärt die Rechnungsfrage: Das Unternehmen positioniert sich mit seinem digitalen Rechnungsdienst zwischen Händlern und Endverbrauchern. Was als Angebot für lokale Händler in Stockholm begann, ist heute ein Dienst für mehr als 130.000 Händler auf der ganzen Welt und wickelt täglich bis zu einer Million Transaktionen ab.

Klarna hat den Onlinehandel für Millionen Nutzer revolutioniert, indem Kunden nur Waren bezahlen mussten, die sie behalten wollten. Diese kleine, aber entscheidende Veränderung hat den europäischen E-Commerce- und Zahlungssektor verändert. Wir haben mit Robert Bueninck, General Manager DACH, gesprochen, um zu erfahren, wie sie es geschafft haben, ihre Ideen in ein erfolgreiches Unternehmen zu verwandeln – und wie sie trotz ihres Wachstums innovativ bleiben.

Rechnungen für das digitale Zeitalter

Klarna hat ein Potenzial für noch reibungsloseren Online-Handel entdeckt und adressiert: Viele Konsumenten zögern, im Voraus für Ware zu bezahlen, die schlimmstenfalls nie ankommt. Das Unternehmen fungiert als Mittler zwischen Händler und Endverbraucher, denen sie 14 Tage Zeit geben, um ihre Rechnung zu begleichen. Damit ging Klarna ein Risiko ein – löste aber ein Problem für beide Seiten eines Online-Kaufs. Klarnas Vorzeige-Produkt Pay Later war geboren.

Dabei stieß das Konzept bei einigen Investoren anfangs auf Ablehnung – nach einem großen Pitch wurde den Gründern gesagt gar, sie könnten „es vergessen“. Bei skandinavischen Händlern war Klarna jedoch schon bald sehr beliebt. Als immer mehr und mehr Händler das Angebot von Klarna annahmen und das Unternehmen neue Märkte erschloss, veränderte sich auch der Ansatz. Robert Bueninck blickt zurück: „Zu Beginn waren wir sehr auf die Händler fokussiert. Wir haben aber schnell gemerkt, dass das nicht reicht. Uns ist bewusst geworden, dass die Kunden unsere Nutzer sind, und dass wir für sie ein tolles Produkt schaffen müssen – das nützt am Ende natürlich auch dem Händler.”

Innovationen mit Kundenfokus

In den letzten Jahren hat der Fokus auf Kunden zu einigen Innovationen geführt. So können Verbraucher etwa inzwischen Zahlungen in vier Raten aufteilen – ganz ohne Zinsen oder zusätzliche Gebühren. Bueninck: „So können vor allem junge Verbraucher, die eher Debit- als Kreditkarten benutzen, verantwortlich mit ihrem Geld umgehen und trotzdem das kaufen, was sie möchten.“

Nun hat das Unternehmen den Bankensektor fest im Blick – schon im Jahr 2017 erhielt Klarna eine Banklizenz. Seit April 2019 gibt es in Zusammenarbeit mit Visa die Klarna Card in Deutschland, die Verbrauchern eine Reihe von Features bietet. So können Nutzer ihre Klarna Card zum Beispiel bei Google Pay hinterlegen, bekommen nach einer Transaktion eine Push-Benachrichtigung auf ihr Mobilgerät und können ihre Bestellungen in der Klarna-App verfolgen.

Die Klarna Card: Bargeldlose Zukunft

Seit April 2019 können deutsche Verbraucher überall Klarnas reibungsloses Bezahlerlebnis erfahren und flexibel entscheiden, wann und wie sie für ihre Einkäufe  bezahlen möchten – mit der Klarna Card. Mit der Klarna-App können Rechnungskäufe in Ratenkäufe umgewandelt werden und Karteninhaber haben die Wahl, ihre Einkäufe sofort oder später zu bezahlen (bis zu 14 Tage zinsfrei). Die kontaktlose Klarna Card entspringt einer Kooperation von Visa und Klarna. Die Karte ist für den Verbraucher kostenlos, es fallen weder Jahresgebühren an, noch Gebühren bei der Nutzung im Ausland. Das Abheben von Bargeld ist mit der Karte bewusst nicht möglich – Klarna bleibt bei seiner Vision des bargeldlosen Zahlens. 

In Bezug auf das Bankgeschäft zeigt sich Bueninck ehrgeizig und optimistisch – insbesondere nach der Einführung von PSD2, die er als den „iPhone-Moment für das Privatkundengeschäft“ bezeichnet. „Wir haben die Möglichkeit, die Branche von Grund auf zu verändern. Banken haben sich zu sehr an sich selbst orientiert und zu wenig am Kunden. Dank der PSD2 erschließen sich uns jetzt die Kundendaten – das gleicht das Spielfeld wieder aus.“

Lösungen aus Leidenschaft

Das Kernkonzept von Klarna stammt aus Erfahrungen und Beobachtungen der Gründer. Ein Großteil der jüngsten Innovationen ist jedoch aus einem Unternehmen hervorgegangen, das international tätig ist. Klarna basiert auf einem besonderen Betriebsmodell: Die Belegschaft ist in kleine Teams von etwa acht Personen pro Team unterteilt. So sind quasi 250 spezialisierte Start-ups innerhalb des größeren Unternehmens entstanden.

Bueninck erläutert, wie das funktioniert: „Wir bringen kleine Teams aus Leuten mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammen, um aktiv an der Lösung verschiedenster Probleme zu arbeiten. Leidenschaft und Verantwortung sind hier die treibenden Kräfte, und das sieht man auch im Endprodukt.“ Diese Mischung aus großem Unternehmen und Start-up-Kultur trägt Früchte. „Das Lustige ist, dass wir heute eigentlich viel eher eine Start-up-Kultur haben als noch vor ein paar Jahren“, bemerkt Bueninck.

Keiner kann es besser? Manchmal schon

Für Klarna waren Partner schon immer maßgebliche Pfeiler ihres Erfolgs. Aber ihr Commitment geht über die bloße Aufnahme von Händlern als Partner hinaus. Bueninck: „Vielen entgeht die Tatsache, dass das Internet zwar ein großer Markt ist, aber noch recht am Anfang steht. Der Markt wächst und Unternehmen spezialisieren sich – das heißt, Unternehmen, die zu Beginn breit aufgestellt waren, müssen sich anpassen. Es gibt einen deutlichen Trend hin zu Betriebssystemen.“

Laut dem General Manager DACH hängt das wieder mit der Leidenschaft zusammen. Klarna hat das Ziel, das Kundenerlebnis so unkompliziert wie möglich zu gestalten – aber alleine funktioniert das nicht immer. 

Überall dort, wo Spezial-Expertise nötig ist, geht Klarna darum Partnerschaften ein, darunter einige, die nicht sofort ins Auge springen. Eine strategische Partnerschaft mit Visa gibt es seit 2017. Bueninck sagt dazu: „Unsere Kunden haben uns angesprochen. Sie wollten Klarna überall nutzen – dank unserer Partnerschaft mit Visa können wir diesen Wunsch erfüllen, denn jetzt haben wir die nötige Reichweite.“

Fazit

Klarna ist ein gutes Beispiel dafür, was es heißt, in unserer digitalen Welt innovativ und erfolgreich zu agieren. Im Kern löst Klarna ein Problem, das viele Menschen haben – mit einer Lösung, die sich nach den Nutzern richtet, nicht nach den Anbietern. Zudem legt Klarna großen Wert darauf, immer die nächste Innovation voranzutreiben.

Das Unternehmen hat eine Kultur geschaffen, die Mitarbeiter dazu inspiriert, ihre Erfahrung und ihre Talente so einzusetzen, dass sie erfolgreich das anstehende Problem lösen. Und dann das nächste, und dann das danach. Schließlich hat Klarna erkannt, worin sie selbst exzellent sind, und in welchen Bereichen eine Partnerschaft sinnvoll ist, um den bestmöglichen Service zu bieten. Zusammenarbeit ist heute der Schlüssel zu einem zufriedenen Kunden.