Aktuelle Visa Studie sagt das Ende
saisonaler Schlussverkäufe voraus

 

Frankfurt, 15. Juni 2009 – Das Sprichwort vom König Kunde ist derzeit aktueller denn je. Dies belegt jetzt eine Studie von Visa Europe. Demnach stehen saisonale Schlussverkäufe vor dem Aus, und Händler müssen sich von jahrelang erprobten „Rabatt-Strategien“ verabschieden. Grund dafür sind die europäischen Konsumenten, die nicht mehr auf traditionelle saisonale Schlussverkäufe anspringen, sondern unabhängig davon so lange nach reduzierten Preisen Ausschau halten, bis sie sie gefunden haben. Erst dann tätigen sie ihre Einkäufe.

 

Der von Visa Europe beim Centre for Retail Research, Nottingham (England), in Auftrag gegebene Report „Widrigkeiten meistern: Europäische Einzelhändler und die Kreditkrise“ zeigt, dass sich – bedingt durch die Finanzkrise – das Einkaufsverhalten der Konsumenten drastisch verändert hat: Europaweit beobachten Einzelhändler, dass ihre Kunden Ausgaben reduzieren, häufiger Rabattgutscheine einsetzen, Nachlässe aushandeln und verschiedene Läden aufsuchen, bevor sie einen Einkauf tätigen.

 

Ein Drittel der befragten Einzelhändler in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien berichten, dass Kunden ausschließlich herabgesetzte Ware kaufen. Eine Spitzenposition nimmt hier Deutschland mit 42 Prozent ein. Mehr als die Hälfte der Einzelhändler gaben sogar an, dass sich die Erwartungen ihrer Kunden drastisch verändert haben, sodass sie sich gezwungen sehen, größere Preissenkungen vorzunehmen. In Großbritannien sind es sogar zwei Drittel der Einzelhändler (65,7%), die Preissenkungen auf Druck ihrer Kunden vornehmen.

 

58 Prozent der Einzelhändler in Europa antworten auf den schrittweisen Preisrückgang mit aggressiven Preisnachlässen und Verkaufsförderungsstrategien, um ihre Umsätze konstant zu halten. Dieses Vorgehen ist in Großbritannien am weitesten verbreitet. Hier reduzieren Angaben zufolge ein Fünftel der Einzelhändler sämtliche Preise, ein Drittel von ihnen führt große Preissenkungen durch und fast ein Viertel der befragten Händler nimmt neue, günstigere, Angebote ins Sortiment auf. 18 Prozent der Einzelhändler erwarten, dass demnächst häufiger spezielle Rabatt- oder Schlussverkaufstage durchgeführt werden. Großbritannien ist – den Einschätzungen der Befragten zufolge – das Land, das mit der geringsten Wahrscheinlichkeit Staffelpreise einführen (9%) wird. In Italien wird es dagegen mit größter Wahrscheinlichkeit gestaffelte Preise geben, so jedenfalls mutmaßen die Befragten.

 

Und auch die von Visa Europe erhobenen Daten spiegeln diesen Trend wider. Der Transaktionsumsatz von Visa Europe im 1. Quartal 2009 wuchs um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hingegen verzeichnete man bei Visa im selben Zeitraum einen Anstieg um neun Prozent der Debit- und Kreditkarten-Transaktionen.

 

„Dieses Gutachten bestätigt einen signifikanten Wandel im Konsumentenverhalten“, sagt David Goodridge, Head of Acquiring and Acceptance bei Visa Europe. „Die Kunden sind preissensitiver geworden und verlangen preisreduzierte Ware vom Einzelhandel. Diesen Trend sehen wir in unseren eigenen Daten – dem verlangsamten Wachstum des Transaktionswertes als Ergebnis von Preissenkungen und dem verhaltenen Ausgabeverhalten der Konsumenten. Und dies, obwohl die Anzahl der Transaktionen sogar angestiegen ist. Bezeichnend ist, dass Einzelhändler nicht nur die Preise senken, sondern ihre Geschäftsstrategie an die aktuellen Verhältnisse anpassen. Sie sind damit gut gerüstet für die Rezession.“



Weitere wichtige Ergebnisse der Studie:

  • Der Einzelhandel sieht Wachstumschancen im Internet: 61 Prozent der befragten Einzelhändler glauben, dass die Konsumenten künftig noch mehr Geld im Internet ausgeben werden – allen voran Deutschland (73,3%) und Großbritannien (71,5%). 10 Prozent der Einzelhändler beabsichtigen sogar, in den nächsten zwölf Monaten einen Online-Shop aufzubauen.
  • Anstieg von Schaufensterbummel und Umtausch: Mehr als 40 Prozent der Händler beobachten, dass sich Kunden häufiger nur die Auslagen ansehen, ohne etwas zu kaufen. Die Einzelhändler in Großbritannien beziffern die Prozentzahl der „Bummler“ mit 65 Prozent. Mehr als ein Viertel (26%) der Händler wollen einen Anstieg der Umtauschrate bemerkt haben – allen voran Großbritannien mit 37,6 Prozent.
  • Einzelhandel reduziert Kosten: 36 Prozent der befragten Einzelhändler reduzieren Warenbestände; 20,3 Prozent bauen Personal ab und 27,8 Prozent sparen beim Ausbau weiterer Geschäftskapazitäten.
  • Einzelhandel begegnet der Krise mit neuen Geschäftsstrategien und neuer Positionierung: Weniger als 28 Prozent der Einzelhändler wollen weitermachen wie bisher.
  • Fokussierung auf heimische Waren: 13 Prozent der Händler erwarten eine gestiegene Nachfrage nach heimischen Produkten. In Großbritannien erwarten dies 19 Prozent und in Frankreich 17 Prozent.


Hinweis für die Redaktionen:

Der Report „Widrigkeiten meistern: Europäische Einzelhändler und die Kreditkrise“ ist der erste, der die Auswirkungen der Finanzkrise im europäischen Einzelhandel detailliert untersucht. Er basiert auf Ergebnissen einer Studie des Centre of Retail Research, Nottingham (England), die im Februar und März im Auftrag von Visa Europe durchgeführt wurde. Es wurden stichprobenartig 350 große und mittelständische Einzelhändler in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien befragt. Zusammen haben die Teilnehmer einen Anteil am Einzelhandelsumsatz von 13,4 Prozent.
Händler gelten als groß, wenn sie mindestens 150 Filialen haben oder einen Umsatz von mehr als £ 220 Millionen machen.

© Copyright Visa Europe . Alle Rechte vorbehalten.